Selina Karg | College Tennis | Der Alltag als Student-Athlete

Selina Karg

Sportart Tennis
Universität Bowling Green State University
Studium Bachelor der Sportwissenschaften

WARUM HAST DU DICH DAZU ENTSCHIEDEN COLLEGE TENNIS ZU SPIELEN?

Ich wollte schon immer nach meinem Abitur eine Auslandserfahrung machen. Als ich mich mit Freunden über ihre College Erfahrung in Amerika unterhalten habe, wusste ich genau, dass meine nächste Destination nach meinem Abschluss Amerika sein soll. Die Möglichkeit Tennis auf hohem Niveau und ein Studium zur gleichen Zeit so zu absolvieren, gibt es nur in den USA. Natürlich war die Entscheidung so lange von der Familie und Heimat fern zu sein nicht einfach, allerdings kann dir diese Erfahrungen, die ich gemacht habe und die man machen wird, keiner mehr nehmen.

WIE SAH EIN TYPISCHER TAG ALS STUDENT-ATHLETE BEI DIR AUS?

Mein Tag hat üblicherweise mit Krafttraining um 6:30 Uhr begonnen. Um perfekt darauf vorbereitet zu sein, bin ich davor meistens noch zu unserem Athletic Trainer gegangen. Nach dem Team Lifting ging es für uns direkt weiter zum Tennistraining, das bis ca. 11 Uhr gedauert hat. Je nach Semester hatte ich dann entweder meine erste Vorlesung um 11:30 Uhr oder ich hatte kurz Zeit, um mich zu Hause frisch zu machen und Mittagessen zu kochen. Den Nachmittag über hatte ich dann zwei weitere Vorlesungen, wobei ich in den Pausen Assignments für die gesamte Woche abgearbeitet habe. Mein Tag hat meistens um 18:30 Uhr geendet und dann standen nur noch Abendessen, Tasche packen für den nächsten Tag und entspannen an!

WIE WAREN DIE AKADEMISCHEN ERFAHRUNGEN ALS STUDENT-ATHLETE?

Mein Bachelorstudiengang hieß „Exercise Science“, da ich schon immer sehr am menschlichen Körper und dessen Aufbau und Funktionen interessiert war. Die Idee war, dass ich dann Physiotherapie als Masterstudiengang studiere und somit meinen Traumberuf dann ausüben kann. Der Aufbau des Studiums war sehr übersichtlich und auch gut durchzuführen. Die Ansprüche in meinen Exercise Science Kursen waren hoch, aber dadurch, dass es sehr interessant für mich war, einfacher.

Uns wurde von Anfang an gesagt, dass das Studium vor dem Sport kommt (STUDENT-athlete). Da mein ganzes Team sehr zielstrebig war und wir jährlich immer den besten Notendurchschnitt im Athletic Department hatten, war diese Aufgabe, das Studium gut zu absolvieren, gut zu meistern. Ein weiterer Vorteil war, dass die Klassengrößen nur zwischen 10 und 20 StudentInnen variiert haben, und somit der Professor individuell auf dich eingehen kann. Im Allgemeinen waren alle Professoren und alle Mitarbeiter der Uni sehr hilfsbereit und verständnisvoll.

WIE WÜRDEST DU DAS TRAINING UND DIE EINRICHTUNGEN BESCHREIBEN?

Unsere Tenniseinrichtung bestand aus 8 Außenplätzen auf dem Campus und 8 Hallenplätzen, die allerdings etwas außerhalb waren. Je nach Saison hat unser Training immer variiert. In der Herbstsaison, die als Vorbereitungssaison gesehen wird, hatten wir vermehrt Krafttraining und intensivere Trainingseinheiten, um uns perfekt auf die vielen Matches in der Frühlingssaison vorzubereiten. Im Allgemeinen hatten wir 6x die Woche 2-3 Stunden Tennis pro Tag und 3-4x die Woche 1-2 Stunden Kraft-/Konditionstraining. Zusätzlich konnten wir individuelle Stunden mit unseren Coaches buchen, wo wir dann genauer an Technik und Kleinigkeiten arbeiten konnten. Im Allgemeinen kann man zusätzlich immer mehr trainieren, wenn man möchte. Unser Kraftbereich war immer zugänglich, genauso wie unsere Tennisanlage. Das Training wurde immer sehr professionell und intensiv aufgebaut, was bei mir mein bestes Tennis zum Vorschein gebracht hat.

WIE SIEHT EIN TYPISCHER SPIELTAG AM COLLEGE AUS?

An einem Spieltag hat mein Tag um 9 Uhr beim Physio angefangen. Meine Knöchel wurden getaped, ich konnte mich ausgewogen dehnen und schonmal meine Muskulatur und Beweglichkeit aktivieren. Um 10 Uhr wurden meine Mitspielerinnen und ich von unseren Coaches abgeholt und wir sind gemeinsam frühstücken gegangen. Die Zeit beim Frühstück war immer sehr entspannt und hat uns immer gut auf das anstehende Match vorbereitet. Danach ging es zu unserer Platzanlage und wir haben uns dort erstmal etwas eingerichtet und auch die ein oder andere Tanzeinlage gehabt (mein Coach und eine Mitspielerin waren aus Brasilien). Sobald wir alle bereit waren, ging es zum gemeinsamen Aufwärmen, das immer mit lauter Musik begleitet war und uns heiß auf die Matches gemacht hat. Nach den Matches haben wir im besten Fall unsere Siegerhymne gesungen und sind dann gemeinsam zum Essen gegangen. Da es dann meistens schon abends war, hieß es dann nur noch entspannen und für mich nochmal etwas dehnen und meditieren.

WIESO COLLEGE SPORT?

TENNIS

Trainiere täglich auf höchstem Niveau und messe dich mit Nachwuchsathleten aus aller Welt.

STUDIUM

Die USA bieten dir die besten Universitäten weltweit: Die akademischen Inhalte und Methoden sind erstklassig und international anerkannt.

ENTWICKLUNG

Nutze die einmalige Chance, dich in kurzer Zeit persönlich zu entwickeln: Sammle Erfahrungen mit anderen Kulturen und lerne perfektes Englisch.

KARRIERE

Eines ist sicher: Für zukünftige Arbeitgeber stichst du mit deiner internationalen Ausbildung positiv heraus.

HATTEST DU ZUGANG ZU PHYSIOS?

Ja, ich hatte zu jeder Zeit Zugang zu einem Physio. Jedes Team an unserer Uni hatte einen zugewiesenen Physio. Unserer hatte die Sportarten Tennis und Softball, die er betreuen musste. Je nach Bedarf musste man Termine ausmachen, wenn man allerdings nur Dinge wie z.B. ein Eisbad oder Dehnen ausüben wollte, konnte man einfach in den Physiobereich gehen. Man konnte so häufig zur Behandlung gehen, wie man es benötigt hat und es wurde auch immer gerne von den Coaches gesehen, dass man sich bestens um seinen Körper kümmert und auch zur Prävention Behandlungen gemacht hat.

BESCHREIBE DEINE ZEIT AM COLLEGE IN AMERIKA ZUSAMMENFASSEND

Die Zeit in Amerika hat mich sehr positiv geprägt. Selbstständigkeit, Struktur, Sprache, Teamfähigkeit und Kampfgeist sind nur ein paar Attribute, in denen mich Amerika weitergebracht hat. Diese Erfahrung kann mir keiner mehr nehmen und ich würde diese Entscheidung wieder treffen. Durch die große Vielfalt meines Teams, wurden mir so viele neue Kulturen und Lebensweisen nähergebracht, was im späteren Berufsleben nur von Vorteil sein kann. Das Team und die Uni wurden mein zweites Zuhause und über diese Erfahrung werde ich immer dankbar sein.

WIESO WÜRDEST DU ANDEREN SPORTLERN EMPFEHLEN IN DIE USA ZU GEHEN?

Diese Erlebnisse, die ein College Sport ausmachen, kann man einfach nicht in Worte fassen. Dein Team in Amerika wird zu deiner zweiten Familie und der Zusammenhalt ist einzigartig. So etwas muss man selbst erlebt haben. Man lernt so viele neue Menschen kennen, von überall aus der Welt und teilt mit ihnen so viele Erinnerungen. Es ist sehr schwer in Worte zu fassen, was Amerika für mich alles verändert hat. Natürlich kann ich nach dieser Zeit die Sprache fast perfekt, aber auch Dinge wie Selbständigkeit und Ordnung im Leben wurden durch Amerika sehr stark verbessert. Die Struktur, die man haben muss, um Studium und Sport zu meistern, wird dir ein Leben lang von Nutzen sein. All diese Attribute werden dir im Berufsleben immer helfen und werden auch gerne von Arbeitgebern gesehen. Man bekommt so eine Chance vermutlich nur einmal im Leben, also warum sollte man sie nicht nutzen?