Aufschlag in Amerika

Ausgabe: 
Donaukurier (19.02.2013)
Presse Thumb: 


Hilpoltsteiner Tennistalent Lisa Noderer bekommt ein Stipendium an der University of Southern Mississippi

Hilpoltstein
(HK) Den Traum von der großen Karriere als Tennisprofi hat Lisa Noderer aus Hilpoltstein eigentlich ausgeträumt. Doch dafür geht jetzt ein anderer Traum in Erfüllung: Im August zieht es die 17-Jährige für vier Jahre in die USA, genauer gesagt in die Kleinstadt Hattiesburg, wo sie ein Stipendium der University of Southern Mississippi bekommen hat. Eine anständige Ausbildung ist wichtig, sagt Lisa Noderer, die beste Tennisspielerin des Landkeises, die irgendetwas mit Sprachen studieren will.

Ein Hochschulstudium kombiniert mit Leistungssport ist in Deutschland kaum vorstellbar, in den USA aber gang und gäbe. Dank des Stipendiums kann Noderer sowohl ihre Ausbildung als auch ihren geliebten Sport weiter vorantreiben. In welche Richtung das Studium geht, dafür muss sie sich noch nicht entscheiden. An der Universität in Hattiesburg kann die Hilpoltsteinerin jedenfalls zwischen zwölf verschiedenen Studiengängen wählen. Spezialisieren muss sie sich erst nach einem Jahr. Im Normalfall hat sie dann nach vier Jahren ihren Bachelorabschluss geschafft.

Von der Möglichkeit eines Tennisstipendiums in den USA hat die angehende Abiturientin eher durch Zufall erfahren. Aufgrund ihres Alters (im März wird Lisa Noderer 18 Jahre alt) und ihres Leistungsniveaus (sie ist die aktuelle Nummer 249 in der deutschen Rangliste der Damen) hat ein Spielervermittler aus München den Kontakt zur Hilpoltsteinerin aufgenommen. „Wir durchforsten natürlich die Ranglisten und schauen, welche Spielerinnen oder Spieler in Frage kommen“, sagt Sandy Thomas Franz. Lisa Noderer erfüllt die Voraussetzungen für ein Stipendium. Abgesehen vom Alter spielen auch die Schulnoten eine große Rolle. Tennistalent versteht sich von selbst.

Im Alter von zehn Jahren hat die Hilpoltsteinerin erst relativ spät mit dem Tennisspielen angefangen, gelangte beim TC Rot-Weiß aber schon recht schnell an die Grenzen ihrer sportlichen Entwicklung. Ab 2007 spielte sie fünf Jahre lang in Altenfurt, wo sie sich zuletzt in der Bayernliga behauptete. Seit der vergangenen Saison schlägt Lisa Noderer wieder für ihren Heimatverein auf, als Spitzenspielerin der Damenmannschaft in der Landesliga.

„Das Stipendium ist eine fantastische Chance für Lisa“, versichert Sandy Thomas Franz von der Kölner Firma uniexperts. Die Agentur nimmt die Rolle des Spielerberaters ein und kümmert sich um alle wichtigen Belange. Von einem kompletten Bewerbungsprofil inklusive eines Videos bis hin zu den Anschreiben für die verschiedenen Universitäten. Die Tennistalente selbst müssen noch einen Englisch- und einen Mathetest bestehen, um ihre Uni-Tauglichkeit unter Beweis zu stellen. Sind alle Tests bestanden, sparen sich die Studenten Kosten von 30.000 bis 40.000 Euro pro Jahr. Denn die Universität kümmert sich um alles, stellt auch die Unterkunft. Ein besonderer Anreiz sind die Vergleichswettkämpfe mit den anderen Universitäten, die Lisa Noderer quer durch den Südosten der USA führen. Bis zu 25 Spiele stehen in einer Collegesaison auf dem Programm.

Stiefvater Alexander Schneider, Vorsitzender des TC Rot-Weiß Hilpoltstein und zugleich Lisas größter Förderer, freut sich über die große Gelegenheit: „Sowohl sportlich als auch beruflich gesehen ist das eine tolle Chance.“ Was sich dann auf der anderen Seite des großen Teichs entwickelt, könne man ohnehin nicht sagen. Sicher ist: In den USA beginnt die Hauptsaison im Januar und endet mit den nationalen Meisterschaften im Mai. Dadurch kann Lisa Noderer die bis August dauernden Semesterferien in Hilpoltstein verbringen und die Damenmannschaft des TC Rot-Weiß unterstützen. Jetzt darf sich Lisa Noderer aber erst einmal auf ihr Abenteuer in Amerika freuen. Und vielleicht geht er ja doch noch in Erfüllung – der Traum vom Profitennis.